Die Pandemie

Pandemien gab es auf der Erde immer wieder. Ein Erreger verbreitete sich in einem großen Gebiet, die Menschen wurden krank, viele starben, dann zog sich der Erreger wieder zurück.

Man sollte meinen, daß in der modernen Zeit mit den medizinischen Möglichkeiten, solche Ausbrüche leicht einzudämmen seien. Ganz offensichtlich ist es nicht so, da der internationale Flugverkehr hilft, auch Viren zu verbreiten. Und so war es auch diesmal. Die Menschen waren krank, sie reisten, sie verbreiteten das Virus. Die Fallzahlen stiegen unaufhaltsam und die Menschen wurden nicht nur krank und wieder gesund, es gab schwere Verläufe, die Intensivstationen waren überlastet und viele Menschen starben.

Es wurden Medikamente getestet, verworfen und fieberhaft nach einem Impfstoff gesucht. Aber es dauerte und in der Zwischenzeit war es geboten, Abstand zu halten, Masken zu tragen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Kinder durften nicht mehr in die Schule gehen, die Menschen sollten weitestgehend von zuhause aus arbeiten.

Viele hielten sich mehr oder weniger daran, aber es gab immer wieder Unvernünftige, die Spaß haben wollten und trotzdem Parties feierten oder im Winter auf die Piste gehen wollten und so gab es dann Lockdowns, Ausgangssperren usw., um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

Einige Firmen entwickelten Impfstoffe, die Schutz gegen eine Ansteckung durch das Virus bieten sollten. Da es schnell gehen mußte, wurden diese zwar gründlich getestet, aber Langzeittests konnten natürlich nicht gemacht werden, die Zeit drängte.

Diese Impfstoffe waren heiß begehrt, es konnte mit dem Impfen gar nicht schnell genug gehen. Es gab auch Auseinandersetzungen über die Verteilung der Impfstoffe, da diese am Anfang knapp waren. Es mußten erst Produktionskapazitäten aufgebaut werden.

Ein anderes Problem war, daß die Impfstoffe auf eine Variante des Virus ausgerichtet waren, es gab aber immer mehr Mutationen, und es war nicht klar, ob die Impfung auch gegen diese wirkte, dabei waren einige Mutationen ansteckender und damit gefährlicher als die Originalvariante des Virus.

Die Krankenhäuser waren überfüllt, das Pflegepersonal total überlastet, es mußte zudem ja auch die Arbeiten in Schutzkleidung ausführen, um sich nicht selbst zu infizieren.

Die Menschen litten unter der Angst, sich anzustecken, dem Eingesperrtsein und viele hatten auch finanzielle Probleme, da sie nicht arbeiten konnten oder durften und kein Einkommen hatten.

Die Krankheit war auch nicht vorbei, wenn die Symptome abgeklungen waren, viele Kranke, auch mit leichteren Verläufen, hatten massive Folgeprobleme und konnten sich lange nicht erholen.

Jeder hoffte, dass diese Zeit der Pandemie bald zu Ende gehen oder es wenigstens ein wirksames Medikament geben würde.

In der Not testeten die Wissenschaftler in einigen Ländern althergebrachte Mittel, die sie sonst nicht in Betracht gezogen hätten und hatten dabei Erfolge.

Jedes Land, ja jeder Mensch half, auf welche Weise es bzw. er konnte und die Erkenntnisse und die Mittel wurden gerecht verteilt und so konnte das Virus zurückgedrängt werden und die Menschen lernten, wieder friedlich miteinander zu arbeiten und zu leben.

Wer kann noch helfen?

Zwei Männer umkreisen die Erde in einem Space-Shuttle, um die Verbindung zum Weltenbaum zu inspizieren. Sie war zwar schon immer da, aber seit sie bekannt ist, meinten die Menschen, sie müßten ein Auge darauf haben.

Einer der Männer war ein Angestellter der Weltenverwaltung, der andere ein hoher Regierungsbeamter der Weltenregierung, der sich einmal von den Gegebenheiten vor Ort überzeugen wollte. Der Angestellte erläuterte dem Regierungsbeamten die Umgebung und die Besonderheiten und wies auch auf etwas wie einen aufgesetzten Ball an der Verbindung zwischen dem Weltenbaum und der Erde hin.

„Da ist vor kurzem ein Sprengsatz angebracht worden, um die Erde im Notfall von dem Weltenbaum zu trennen. Ausgelöst werden kann diese Bombe von der Erde aus und auch im Shuttle haben wir die Möglichkeit, der Knopf hier .. –   Neeeiiiinnn – Niiicht drücken“

Zu spät – ein Licht leuchtete auf an der Stelle, an der die Bombe angebracht war und die Verbindung zwischen Weltenbaum und Erde wird unterbrochen. Vom Shuttle aus beobachten die beiden Männer entsetzt, wie die Erde anfängt, sich langsam nach unten zu bewegen.

Und was passiert nun: „Das weiß ich nicht, wir konnten die Tiefe noch nicht erkunden, soweit kam noch keiner von uns.“ Im Funkgerät sind aufgeregte Stimmen zu hören: „Was ist passiert, wieso wurde die Erde erschüttert und bewegt sich jetzt.“  „Wir haben die Abtrennungsbombe gezündet – aus Versehen“.

Schweigen – „Was machen wir jetzt?“ Alle denken angestrengt nach – dann.

„Beten, es gibt keine Alternative.“

Und so wird die Nachricht verbreitet, von dem was geschehen ist,  und daß die einzige Möglichkeit der Rettung wohl von „Gott“ kommen könne. Und so solle jeder um Hilfe bitten. Und die meisten  Menschen fangen an, voll Inbrunst zu beten. Einige schütteln den Kopf und meinen, daß es ja doch keinen Sinn habe, es gibt keinen Gott und ….. Na ja, – Schaden kann ja nicht, und so schließen sich auch viele der Ungläubigen den Betenden an.

Und es gibt keine Diskussionen mehr, welcher Gott denn nun der richtige sei, welches Gebet das wirkungsvollste oder ob es etwas Besonderes zu beachten gibt. Es gibt einfach nur noch das Herzensgebet, die Verbindung zwischen Gott und Mensch und die Bitte um Hilfe.

Die Männer im Shuttle beten ebenso, und sie sind diejenigen, die es dann als erstes sehen – wie sich eine Art Wolke, gebildet wie eine Hand – unter die Erde schiebt und erst den Fall verlangsamt und dann die Erde behutsam  auf ihren Ursprungsort zurückhebt und sich auch die Verbindung wieder herstellt, so daß die Erde wieder in ihrer alten Position und gesichert ist.

Als sie diese Information an die Menschen auf die Erde weitergeben, brandet Jubel auf und alle danken Gott.

Und diesmal gibt keine Diskussion, welcher Gott denn nun geholfen hat oder ob es dieses Gebet oder jenes gewesen ist, das besonders wirkungsvoll war. Wenn einer damit anfängt, wird er ausgelacht.

Gott hat geholfen, er hat die Bitten seiner Kinder erhört und sie aus der Not befreit, in die sie sich selber gebracht haben.

24. 1. 2015 Gerlinde Bauer