Der Mensch mit den zwei Gesichtern

Fortsetzung Version 1 Einleitung siehe oben

Er saß da und beobachtete die Menschen an der Tafel mit Jesus. Er sah ihre Freude über die Rettung und er sah ihre Liebe zu Jesus und die Liebe von Jesus zu ihnen. Er konnte es nicht aushalten, das mit anzuschauen, und so wandte er sich ab und ging davon.

Sein weiteres Leben lang versuchte er, sich wieder so etwas aufzubauen, wie er es gehabt hatte, aber es gelang ihm nicht besonders gut. Er war auch nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, irgendwie erinnerte er sich immer wieder an das Bild mit den Menschen an der Tafel mit Jesus. Und Zweifel schlichen sich dann in sein Herz, die er nur mit Mühe wegschicken konnte.

Er litt keine Not, hatte genug zum Leben, war aber nicht zufrieden, er wurde ein Sonderling und eher menschenscheu. Zweifel nagten an ihm, war es richtig, wegzugehen oder hatte ihn Jesus mit seinem Blick nicht eingeladen und konnte er nicht doch nochmal zurückgehen und eine Verbindung aufbauen.

Er ging in die Kirche, las in der Bibel, aber das war es auch nicht, dieser lebendige Liebesfunke fehlte überall, er konnte ihn nicht finden.

Wie sollte er auch etwas im Äußeren finden, das nur im Herzen lebt und dort zu finden ist.

Und so lebte er unzufrieden und im Inneren zerrissen bis zu der Stunde, an der er starb.

Im Jenseits floß sein Leben an ihm vorbei und mit Schaudern sah er, was er den Menschen damals angetan hatte, und wie es war als Jesus dort an der Tafel saß und zu ihm blickte. Nun wußte er, daß es eine Einladung gewesen war, der er nicht gefolgt war, und er so weniger aus seinem Leben gemacht hatte als er hätte machen können.

Er wollte schon verzweifeln, als er von einem der Menschen, die damals dabei waren, angesprochen wurde, er erkannte ihn sogleich wieder. Der sah aber gar nicht wütend oder gar rachsüchtig aus. “Ja, es ist schade, daß du nicht in der Folge an dir gearbeitet und dein Leben aufgeräumt hast, es war eine Chance. Hier im Jenseits kannst du das nun gut machen, aber es wird wesentlich länger dauern als auf der Erde, hier sind die Bedingungen anders.

Ich führe dich nun an einen Ort, an dem du dich besinnen und herausfinden kannst, was nicht richtig war an deinen Taten und wo deine eigentliche Sehnsucht liegt. Jedes Mal, wenn du etwas herausgefunden hast, wird dir weiter geholfen, es liegt nun an dir.”

Er ging mit ihm an einen einsamen, eher dunklen Ort, zeigte ihm dort ein kleines Haus und die Umgebung mit den Feldern, die er für seinen Lebensunterhalt bestellen konnte. Er mußte also arbeiten, wenn er essen wollte.

Nun ja, er wollte mit den Menschen sowieso nichts zu tun haben, so wie es ihm jetzt ging. Er hatte ja nichts besonderes mehr vorzuweisen, womit sollte er angeben? Und so bestellte er die Felder, hielt das Haus halbwegs in Ordnung und langsam änderte sich etwas in seinem Inneren.

Er tat die Arbeiten nicht nur, um zu überleben. Hatte er am Anfang die Arbeit mürrisch ausgeführt und wirklich nur das gemacht, was notwendig war, so fand er nun Freude daran, die Sachen wirklich in Ordnung zu halten, einen Platz für jedes Werkzeug zu finden. Er reparierte Dinge, die zerbrachen, anstatt sie in die Ecke zu werfen. Er putzte im Haus und schaute nach dem rechten.

Eines Tages bellte ein Hund vor seinem Haus und er ging hinaus, um herauszufinden, wer denn da sei. Menschen hatte er kaum gesehen, seit er an diesem Ort war.

Der Hund war alleine, wedelte mit dem Schwanz und freute sich sichtlich, ihn zu sehen. Er war wohlgenährt und als der Mensch wieder in das Haus ging, weil er niemanden sah, folgte ihm der Hund als wäre er hier auch immer zuhause gewesen und fand auch gleich einen Platz in der Ecke, zum Hinlegen.

Etwas einsam war der Mensch schon gewesen und so ein Hund war doch eine bessere Gesellschaft als keine. Zu essen hatte er auch genug, also konnte der Hund schon dableiben und so machte er keine Anstalten, das Tier zu verjagen.

Mit der Zeit schloss er den Hund in sein Herz, er lernte, ihn zu lieben und freute sich an seinem Dasein. Später kamen noch ein paar Schafe und Hühner vorbei und blieben und so war es eine kleine gute Gemeinschaft, die da in dem Hause lebte.

Eines Tages kamen dann Menschen, die den Mann besuchten, mit ihm redeten und ihn auch aufklärten über die Umstände, am Anfang hielt er sich bei den Begegnungen eher zurück. Im Laufe der Zeit war ihm bewußt geworden, was er durch sein früheres Verhalten auf der Erde verspielt hatte.

Aber zunehmend wurde ihm klar, daß er das jetzt gutmachen konnte und das wollte er auch und so befand er sich auf dem richtigen Weg zurück ins Vaterhaus.